Sascha Baron beim Dreh

Storytelling ist eine Haltung – nicht die nächste Markenbotschaft

Sascha Baron
von Sascha Baron

„Tolles Team.“ „Zukunftsfähig.“ „Wir erneuern die Welt – willst du dabei sein?“ Werfen Sie einen Blick auf die Karriereseiten der Republik, und Sie lesen immer dieselben Sätze. Es sind Markenbotschaften. Und sie sind fast beliebig geworden. Denn das Entscheidende fehlt: der Beleg dafür, dass hinter der Behauptung auch wirklich etwas steckt. Genau da beginnt Storytelling – und zwar nicht als Marketing-Technik, sondern als Haltung.

Markenbotschaft oder Geschichte? Der entscheidende Unterschied

Eine Markenbotschaft beschreibt Eigenschaften. Sie beantwortet die Frage: Wie ist jemand? Sie versucht, in möglichst kurzen, knappen Wörtern attraktive Attribute auf den Punkt zu bringen – und gleich den Nutzen mitzuliefern. Das ist untrennbar miteinander verbunden: Wie ist etwas, und was habe ich davon? Das ist die große Frage jeder Markenbotschaft.

Eine Geschichte fragt anders. Sie fragt: Wie fühlt sich das an? Was bedeutet das konkret? Die Geschichte bringt die Markenbotschaft überhaupt erst zum Leben. Denn die Botschaft allein steht nur in den seltensten Fällen für sich. Nehmen Sie einen typischen Arbeitgeberauftritt: „tolles Team“, „zukunftsfähig“, „Diversität“, „Teamgeist“, „man kann sich selbst verwirklichen“. Bei diesen Begriffen versteht jeder etwas anderes. Sie sind Projektionsflächen – solange niemand zeigt, was damit gemeint ist.

Die beste Unterscheidung ist deshalb diese: Eine Geschichte zeigt, wer das verkörpert, was versprochen wird. Sie ist der Beweis, der Beleg für die Behauptung – und gleichzeitig ein Einblick in den Alltag, der zeigt, was gemeint ist. Erst dann weiß der Leser, dass Sie keinen Nonsens erzählen, und bekommt eine Vorstellung davon, wie es bei Ihnen wirklich ist.

Warum Geschichten überzeugen, wo Argumente versagen

Argumente sind immer der Versuch, über Belege und Plausibilitäten an die Vernunft zu appellieren: „Schau her, das ist vernünftig.“ Das funktioniert – bis zu einem gewissen Punkt. Sie kennen das vom Einkaufen: Sie stehen im Laden, halten das etwas teurere Produkt in der Hand und denken „das fühlt sich gut an, die Farben gefallen mir“. In diesem Moment spricht die Geschichte gegen das reine Preis-Leistungs-Argument – und gewinnt.

Bei Produkten funktioniert das schon. Bei weichen Themen ist der Unterschied noch krasser. Ein Arbeitgeber, eine Dienstleistung – das lässt sich mit Argumenten kaum greifen. „Der erfolgreichste Dienstleister“, „die meisten Benefits“: Das sind Argumente. Eine Geschichte dagegen liefert das Gefühl, eine Vorstellung. Sie adressiert das Bauchgefühl, nicht den Kopf.

Und sie hat einen zweiten, unschlagbaren Vorteil: Sie bleibt. Zählen Sie zehn Argumente auf, bleibt vielleicht das eine oder andere für eine Woche hängen. Nach drei Wochen ist alles weg. Eine Geschichte mit einer Pointe und einem roten Faden vergisst man nicht so schnell.

Was KI nicht kann – und warum das im Employer Branding zählt

Über kaum etwas wird gerade so viel geredet wie über künstliche Intelligenz. Und ja: KI ist großartig, wenn es um Effizienz geht. Wir haben ein Interview aufgezeichnet, die KI fasst es zusammen, macht eine Kurzfassung, zieht ganz viel daraus. Diese Effizienz kommt heute vor allem durch KI.

Aber KI kann keine Wirklichkeit erfinden. Das ist der Punkt. Sie kann eine fiktive Geschichte schreiben, klar – das kann sie sehr gut. Wenn Sie aber über Ihren Ingenieur berichten wollen, über genau diesen einen Menschen, der bei Ihnen arbeitet, dann kann die KI das nicht wissen. Sie kann kein echtes Interview mit Herrn Müller führen. Sie könnte den fiktiven Arbeitsablauf irgendeines Ingenieurs skizzieren – aber Sie wollen ja nicht irgendeinen. Sie wollen Ihren. Und genau dort kommt die Maschine an ihre Grenze. Authentisches Storytelling lebt von echten Menschen und echten Momenten.

Was passiert, wenn ein Bewerber eine echte Jobstory liest

Alle Umfragen zeigen dasselbe: Wer den Job wechselt, tut das selten, weil er hochzufrieden ist – sondern weil er unzufrieden ist. Und diese Unzufriedenheit liegt garantiert nicht am fehlenden Fitnessstudio. Man wechselt, weil der Chef ein Idiot ist, weil man sich mit den Kollegen nicht versteht. Und ganz sicher nicht, weil der Schreibtisch nicht höhenverstellbar war. Es sind die menschlichen Dinge, die funktionieren oder eben nicht.

Wenn es aber um die menschlichen Dinge geht – wie soll ich die anders erzählen als über die Menschen selbst? Ich sage dem Bewerber: Schau, das ist die Belegschaft. Das sind deine neuen Kollegen. Hör dir an, was sie zu erzählen haben und was sie jeden Tag machen. Der Bewerber überlegt dann: Passe ich da rein? Sind das Leute, mit denen ich ein Bier trinken gehen würde? Ist das ein Typ Chef, mit dem ich kann?

Wer eine echte Jobstory sieht, kauft die Katze nicht im Sack. Er weiß, was ihn erwartet, und reduziert sein Risiko, vom Regen in die Traufe zu kommen. Denn das will niemand – spätestens nach dem zweiten Wechsel möchte man endlich ankommen. Genau deshalb bewirbt man sich dort, wo man schon eine Vorstellung hat. Und genau das machen die wenigsten Unternehmen: die Belegschaft wirklich vorstellen.

So finden Sie die guten Geschichten in Ihrem Unternehmen

Die guten Geschichten ergeben sich vor allem, indem man die Mitarbeitenden zu Wort kommen lässt. Und das ist oft überraschend spannend. Man lernt jemanden kennen und erfährt, dass er mit dem Rad durch halb Europa gefahren ist, in einem Entwicklungsprojekt in Afrika gearbeitet hat oder durch puren Zufall in die Firma gekommen ist.

Eines meiner liebsten Beispiele kommt von einer Logistikerin bei Rhenus. Sie erzählte mir, dass sie einmal den Auftrag hatte, eine indische Gottheit zu verschiffen – eine riesige Porzellanfigur, rund vier Meter groß. Das Risiko, dass die Figur zu Bruch geht, war enorm. Jeder andere Logistiker hatte abgewunken: nicht versicherbar, zu heikel. Sie aber wollte den Auftrag unbedingt. Ihr Chef sagte: Wenn du sicherstellen kannst, dass das funktioniert, dann mach es – aber dann sprichst du mit der ganzen Kette, vom Lkw-Fahrer bis zum Schiffskapitän. Und genau das hat sie getan, weil sie Bock darauf hatte. Die Gottheit wurde ohne Probleme verschifft. Der Auftraggeber war so begeistert, dass sein Chef beim Chef von Rhenus anrief, um sich persönlich zu bedanken.

So eine Geschichte sagt unfassbar viel aus – über die Freiheiten im Job, über Verantwortung, über die Kultur eines Unternehmens. Kein Benefit-Katalog der Welt könnte das leisten. Und man findet solche Geschichten nur auf eine einzige Weise: indem man mit den Menschen spricht.

Storytelling ist eine Haltung

Deshalb ist Storytelling für uns keine Kampagnentechnik, die man mal eben aufsetzt. Es ist eine Haltung: die Überzeugung, dass die Menschen und ihre Geschichten im Fokus stehen – dann gibt sich alles andere von allein. Einen umfassenden Überblick, wie daraus eine Arbeitgebermarke wird, finden Sie in unserem Themen-Hub Employer Branding mit Storytelling. Wenn Sie diesen Weg gehen wollen, zeigen wir Ihnen gern, wie daraus fertige Foto-, Video- und Podcast-Formate werden. Wie unser Ausbildungsmarketing-Format das umsetzt, sehen Sie bei den JobScouts.

Sascha Baron
Sascha Baron
Gründer und Geschäftsführer von dreilandmedien

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