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Karriereseite: Nicht ohne Arbeitgebervideos

Die Zeiten, in denen der Postbote wäschekörbeweise Bewerbungen bei Personalabteilungen ablieferte, sind vorbei. Der Arbeitsmarkt hat sich infolge demographischer Faktoren gedreht und nicht mehr der Arbeitgeber, sondern der Bewerber sucht aus. Für Personaler heißt das: Sie müssen sich etwas einfallen lassen, um bei Talenten zu punkten. Das ist nicht immer leicht. Denn insbesondere die heiß begehrten High Potentials der Generation Y gehen bei der Auswahl des künftigen Brötchengebers kritisch vor. Hier bieten Karriereseiten viele Möglichkeiten, die Vorzüge des eigenen Unternehmens zu präsentieren. Doch noch liegt jede Menge ungenutztes Potenzial brach.

 

IKEA macht’s, die LVM Versicherungen machen’s, die SCHAEFFFLER Gruppe macht’s, die wgv Versicherungen machen’s auch: Sie lassen auf ihrer Karriereseite die eigenen Mitarbeiter zu Wort kommen. In Arbeitgebervideos, Azubifilmen oder Videotestimonials eröffnet sich für interessierte Bewerber mit einem Klick auf den in das Karriereportal eingebundenen Videocontent der Blick hinter die Unternehmenskulissen.

So zum Beispiel: 

So: 

Oder so: 

Was diese Arbeitgeber von anderen unterscheidet: Sie berücksichtigen mit ihren Arbeitgebervideos ein paar wesentliche Faktoren, die aus Bewerbersicht Qualität in das Bewerbungsverfahren bringen.

Mehr Qualität im Bewerbungsverfahren

Häufig unterschätzt: Oftmals sind es nicht so sehr die harten Fakten wie Gehalt, Karriere oder Statussymbole, die den Ausschlag zu einer Bewerbung geben oder einen bereits angeheuerten Mitarbeiter dazu veranlassen, im Unternehmen zu bleiben.

Im Gegenteil belegt die Studie Recruiting Trends der Universität Bamberg, dass bei der Entscheidung für oder gegen einen Job die weichen Fakten immer wichtiger werden:

Von besonderem Stellenwert sind für die Studienteilnehmer folgende Faktoren:

  • Nette Kollegen (64,6 Prozent)
  • Eine gut eingespielte Abteilung (54,3 Prozent)
  • Gute Arbeitsbedingungen (49,3 Prozent).

Auch die Weitergabe von Informationen im Unternehmen, flexible Arbeitszeitmodelle und Work-Life-Balance Angebote zählen zu den Kriterien, die bei der Jobsuche positiv ins Gewicht fallen.

Arbeitgebervideos stellen die weichen Facts dar

„Diese Soft Skills lassen sich optimal über Videocontent transportieren“, sagt Journalist Sascha Baron, der sich mit seinem Unternehmen DREILANDMEDIEN auf die Produktion von Recruiting-Videos spezialisiert hat. „Wenn der potenzielle Bewerber einen Mitarbeiter sieht, einen künftigen Kollegen also, der begeistert von seinem tollen Arbeitsumfeld erzählt. Zum Beispiel, weil sein Arbeitgeber ihm viele Freiheiten ermöglicht und ihn bei der Karriereplanung unterstützt, dann ist das sehr authentisch und genau das, was Bewerber vom Unternehmen erfahren wollen.“

Die Krux ist allerdings: Nur wenige Unternehmen zeigen auf ihren Karriereseiten die Informationen, die Jobsuchenden wirklich wichtig sind. Stattdessen finden sie dort lediglich branchenübliche Fakten zum Unternehmen und die ausgeschriebenen Stellen. Mitarbeiter-Testimonials oder Recruiting-Videos, die etwas über Entwicklungsmöglichkeiten, Arbeitsklima oder flexible Arbeitszeiten sagen, werden nur selten genutzt.

Arbeitgeber sollten ihr Potenzial ausschöpfen

Das Potenzial, das Arbeitgeber auf diese Weise brach liegen lassen, ist enorm, weiß Recruiting Experte Sascha Baron: „Wie wichtig Karriereseiten für ein gutes Arbeitgeberimage sind, zeigt zum Beispiel das Ergebnis der Absolventenstudie der Kommunikationsagentur Kienbaum Communications. 94 Prozent der Befragten gaben an, sich auf der Unternehmens-Webseite über den möglichen Arbeitgeber zu informieren.“

Videojournalist und Arbeitgebervideo Experte Sascha Baron

Wer hier allerdings nicht findet, was er sucht, springt schnell ab. Damit geht Unternehmen die Chance auf aussichtsreiche Kandidaten durch die Lappen. „Was neben den allgemeinen Informationen, die auch wichtig sind, oft fehlt, sind Alleinstellungsmerkmale„, so Sascha Baron. „Hinweise darauf, was einen Arbeitgeber besonders macht, wodurch er sich vom Wettbewerb abhebt. Nur so können Unternehmen die Frage beantworten: Warum soll ich ich mich nochmal bei diesem Arbeitgeber bewerben?

Besonders fatal ist es, wenn sich die Kunde vom schlecht gestalteten Arbeitgeberauftritt über die sozialen Medien herumspricht. Die Auswirkungen eines solchen viralen Effekts auf andere Bewerber sollten Unternehmen nicht unterschätzen: Wie schnell ist eine kurze Nachricht über What’sApp oder Facebook an zig andere Absolventen verschickt, die ebenfalls gerade auf Arbeitgeberschau sind? Ein kurzer Hinweis á la „Unternehmen XYZ braucht Ihr gar nicht erst aufzurufen“ genügt und schon entwickelt sich bei dem jeweiligen Betrieb der Bewerbermangel zu einem nachhaltigen Problem. Einfach, weil aufgrund des Negativstatements immer weniger Bewerbungen eingehen.

Bedürfnisse der Bewerber erkennen und erfüllen

Stattdessen sollten Arbeitgeber alles dafür tun, die Bedürfnisse der Bewerber zu erfüllen und den Spieß herum drehen. Sprich: Sie sollten sich dort mit ihren Inhalten aufhalten, wo sich die Zielgruppe tummelt: Auf Facebook, YouTube, WhatsApp, Twitter, Instagram und Co.

Schließlich lassen sich Recruiting-Videos sich nicht nur in die Karrierewebseite eines Unternehmens, in Arbeitgeberprofile oder in Online-Stellenanzeigen integrieren. Auch für die Direktansprache von Kandidaten (Active Sourcing) auf Social Media Kanälen, sind die Filme optimal geeignet.

So bestätigte eine Untersuchung des Pew Research Centers in ausgewählten Ländern einmal mehr, dass die sozialen Medien in Deutschland vor allem für junge Nutzer attraktiv sind: In der Altersgruppe 18 bis 34 geben 81 Prozent an, soziale Netzwerke zu nutzen, in der Gruppe ab 35 tun dies nur 39 Prozent. Gute Aussichten also, die Generation Y durch ein geschicktes Personalmarketing 2.0 zu erreichen.

Soziale Kanäle: Worauf es ankommt

Wichtig dabei ist, dass die geteilten Inhalte aber auch bestimmten Qualitätskriterien entsprechen. Sonst fühlen sich die kritischen High Potentials nicht angesprochen und der angepeilte Positiv-Effekt fürs Arbeitgeber-Image verkehrt sich ins Gegenteil.

In Bezug auf Videocontent gilt folgendes: Stellensuchende legen Wert auf eine persönliche Ansprache auf Augenhöhe – auch das ist ein Ergebnis der Studie „Recruiting Trends“. Dies gelingt zum Beispiel in einem Azubi-Video, in dem nicht der Chef den Tagesablauf eines Azubis theoretisch herunter leiert, sondern der junge Kollege selbst vor die Kamera tritt.

Ergänzt werden die O-Töne durch Bilder, die den Kollegen in spe in seinem beruflichen Umfeld in Aktion zeigen. So entsteht beim Zuschauer ein glaubhaftes Bild davon, dass die Arbeit im Unternehmen wirklich Spaß macht. „Die Authentizität ist enorm wichtig. Dies erreichen wir, in dem wir uns im Interview viel Zeit mit den Protagonisten nehmen. Nichts ist inszeniert oder abgelesen. Die besten O-Töne kommen spontan im Gespräch“, berichtet Sascha Baron.

Wichtig ist auch, dass ein Video handwerklich überzeugt: „Unternehmen müssen den Kandidaten ernst nehmen. Der Bewerber möchte weder einen Hochglanz-Imagefilm sehen, noch ein verwackeltes Video in Eigenregie“, berichtet Sascha Baron aus seinem beruflichen Alltag. „Es geht darum, die Arbeitswelt so realistisch wie möglich darzustellen. Nur so weiß der Kandidat was ihn erwartet und nur so findet das Unternehmen die passenden Mitarbeiter.“

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