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7 Gründe warum Recruiting-Videos unverzichtbar werden

Ich würde gerne mit Ihnen eine Wette eingehen. Ich prognostiziere, dass bereits in fünf Jahren jedes zweite Unternehmen in Deutschland mit über 100 Mitarbeitern Recruiting-Videos einsetzen wird. Gewagte Prognose finden Sie? Mitnichten.

Es gibt sieben Gründe, warum Karrierevideos für Arbeitgeber immer wichtiger werden. Dazu gleich mehr. Lassen Sie mich zuerst kurz den Begriff Recruiting-Video definieren. Jeder Personalchef versteht ein bisschen was anderes darunter. So gibt es auch verschiedene Bezeichnungen, wie Karrierevideos, Mitarbeitervideos, Arbeitgeberfilme u.ä. In allen Fällen ist aber gleich:

Definition Recruiting-Video

Ein Recruiting-Video wird wie der Name schon sagt, zum Anwerben von Mitarbeitern (z.B. Berufseinsteiger oder Fachkräfte) eingesetzt. Das Video beantwortet vor allem die Frage, warum ich mich als Bewerber gerade für dieses Unternehmen entscheiden soll und nicht für ein anderes?

Dafür gibt es unterschiedliche filmische Ansätze (siehe auch Blog-Artikel von wollmilchsau.de). Im Wesentlichen kommt es darauf an, dass das Video glaubhaft ist und keinen werblichen Charakter hat, wie etwa der typische Imagefilm (große Bilder und sonore Stimme).

Authentizität

Für Recruitingfilme ist Authentizität das entscheidende Element. Davon ist auch die Agentur Königsteiner überzeugt, Deutschlands größte Personalmarketingagentur.

Ein Bewerber will sich bei seiner Jobsuche nicht von Werbebotschaften blenden lassen, sondern möchte authentische Einblicke in die Arbeitswelt und gleichzeitig etwas über das Unternehmen erfahren. Wie ist der Umgang unter den Kollegen bzw. das Arbeitsklima? Wie steht es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Wer könnte darüber glaubhafter berichten, als die Mitarbeiter selbst?! Hier sehen Sie ein Beispiel des SAP-Consulting Unternehmens Orbis AG (produziert von DREILANDMEDIEN):

Employer Branding

Natürlich sind Recruiting-Videos nur ein Baustein, wenn es darum geht, Mitarbeiter anzuwerben oder das Arbeitgeberimage (neudeutsch Employer Branding) zu stärken. Für Bewerber ist vor allem das Karriereportal der Unternehmen erste Informationsquelle, wenn es um die Jobsuche geht. Das belegen die Zahlen der Kienbaum-Studie.

Die Studie macht klar, welche Möglichkeiten sich hier für Personalchefs auftun. Man hat es ja selbst in der Hand, welche Inhalte ich auf der Seite präsentieren möchte bzw. welches Image ich mir als Arbeitgeber geben möchte (siehe auch Blog-Beitrag Unternehmen unterschätzen Karriereseiten im Personalmarketing).

Damit habe ich vielleicht schon ein Argument vorweggenommen, warum meiner Meinung nach immer mehr Unternehmen gerade Recruiting-Videos als Instrument einsetzen werden.

Jedes Fünfte Unternehmen setzt Recruiting-Videos ein

Schauen wir uns zunächst an, wie viele Unternehmen derzeit Karrierevideos einsetzen. Leider gibt es sehr wenige Untersuchungen zu dem Thema. Die bisher größte empirische Studie für den Einsatz von Social Media für Personalmarketing und Recruiting (siehe Blogbeitrag von saatkorn.com) belegt, dass 22 % aller großen Unternehmen spezielle Karrierevideos einsetzen. Befragt wurden 230 Unternehmen, darunter auch alle DAX, MDAX und TecDAX Unternehmen.

Nun wurde nicht die Art und Qualität der Videos untersucht. Doch Tatsache ist, dass jetzt schon jedes fünfte Unternehmen Videos für das Recruiting einsetzt. Und in den nächsten Jahren wird diese Zahl deutlich ansteigen. Aus diesen 7 Gründen:

1. Demographischer Wandel

Haken Sie das Thema nicht gleich innerlich ab, weil Sie denken „kenne ich schon“.  Niemand kann derzeit auch nur erahnen, wie der demographische Wandel den Arbeitsmarkt verändert wird. Machen Sie sich nur einmal diese Tatsache deutlich: In nur 10 Jahren wird sich der Anteil der 19- bis 24-jährigen in einigen deutschen Bundesländern nahezu halbieren. Nach Einschätzung der Bertelsmann-Stiftung wird der Demographische Wandel den Arbeitsmarkt „schneller und grundlegender verändern als vielfach angenommen.“

Schon jetzt gibt es zwischen den Unternehmen einen erbitterten Wettstreit um die besten Arbeitskräfte.

Was oftmals vergessen wird: Der demographische Wandel macht es nicht nur schwieriger, neue Mitarbeiter zu finden. Die Mitarbeiter von morgen werden auch immer anspruchsvoller. Das ist auch ein Ergebnis der Bertelsmann-Studie. So sagen fast drei Viertel der Unternehmen, dass die Wünsche und Erwartungen der Arbeitnehmer sich aufgrund der Demographie verändern wird.

Nun, was sind das für Wünsche, die Arbeitnehmer haben? Es sind vor allem Dinge, die man sich nicht für Geld kaufen kann. Mehr Zeit für die Familie, ein sicherer Arbeitsplatz, nette Arbeitskollegen oder ein tolles Arbeitsklima.

 

2. Weiche Faktoren

Arbeitnehmer achten schon lange nicht mehr nur auf das Gehalt, wenn es um die Wahl des Arbeitgebers geht. Weiche Faktoren wie Arbeitsklima und Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden immer wichtiger. Man könnte auch sagen, immer mehr wollen arbeiten, um zu leben und nicht leben, um zu arbeiten.

Vielen Mitarbeitern ist ein gutes Arbeitsklima wichtiger, als das Gehalt. Und nicht nur Frauen legen Wert auf die Work-Life-Balance. Fragt man junge Akademiker, welche Ziele sie im Leben haben, fällt die Antwort eindeutig aus: An erster Stelle stehen Familie und Freunde (nicht die Arbeit). In der Kienbaum-Studie nannten nur 43 Prozent der Hochschulabsolventen Erfolg und Karriere als wichtigstes Ziel.

Frage: Angenommen Sie sind Personalchef und können Ihren Mitarbeitern die beste Work-Life-Balance bieten. Wie wollen Sie dies kommunizieren? Wollen Sie in die Stellenbeschreibung schreiben: „Wir haben die beste Work-Life-Balance“? Das klingt beliebig und wenig glaubhaft. Weiche Faktoren kann man am besten mit Praxisbeispielen (Testimonials) kommunizieren, also durch Mitarbeiter, die aus eigener Erfahrung über die Work-Life-Balance sprechen.

Recruiting-Videos sind also das beste Werkzeug, um die weichen Faktoren darzustellen. Jedenfalls wenn sie einen journalistischen (und damit authentischen) Ansatz verfolgen (siehe oben).

 

3. Stellenanzeigen

Als Ingenieur, Programmierer oder Entwickler finde ich in jeder großen deutschen Stadt hunderte von Stellenanzeigen. Niemand würde sich die Mühe machen alle Stellenanzeigen zu lesen. Unternehmen müssen sich also von der Masse abheben.

Große Jobbörsen wie monster.de bieten schon lange die Möglichkeit, Stellenanzeigen mit Videos zu verbinden (z.B. Employer- Branding-Anzeigen). Diese Anzeigen werden in den Suchergebnissen besonders hervorgehoben. Nun, wenn Sie 100 Stellenanzeigen haben und zwei davon haben ein Video. Welche Anzeigen würden Sie sich jetzt genauer ansehen?

Siehe auch: Arbeitgebervideos perfekt planen

 

4. Ausbildungsmarkt

Praxisbeispiel: Europas größter Arzneimittelimporteur heißt kohlpharma und hat seinen Sitz im saarländischen Merzig. Jedes Jahr werden mehr als 40 Azubis eingestellt und ausgebildet. Das Unternehmen steht im harten Wettbewerb mit anderen Ausbildungsbetrieben. So liegen im Umkreis von 30 Kilometern der Keramikhersteller Villeroy & Boch, das Textilunternehmen Lands‘ End, der Stahlproduzent Dillinger Hütte und der Mineralölhersteller Liqui Moly.

Für kohlpharma wurde es immer schwieriger, qualifizierte Bewerber zu finden, wie unser Wirtschaftsportal business-on.de berichtet. Nun wurde ein Recruiting-Video produziert, mit dem man sich klar gegen die Mitbewerber abgrenzen will. Das Video soll Abiturienten die Frage beantworten, warum sie sich bei kohlpharma und nicht bei einem anderen Unternehmen der Region bewerben sollen.

[vimeo url=“https://vimeo.com/68999556″ width=“500″ height=“281″ full=“yes“ ]

kohlpharma ist ein typisches Beispiel dafür, welche Probleme mittelständische Unternehmen bei der Suche nach qualifizierten Bewerbern in ihrer Region haben. Ein weiteres Beispiel ist die wgv-Versicherung in Stuttgart.

 

5. Mobile Nutzung

Die Nutzung des Internets verlagert sich immer mehr auf mobile Endgeräte wie Tablets oder Smartphones. Dieser Trend ist auch bei der Stellensuche zu beobachten. So belegt unter anderem die Google-Studie Our mobile Planet Germany, dass bereits 14 Prozent der Mobile-Nutzer über die Google-Suche nach Stellenanzeigen recherchiert haben. Tendenz steigend.

Wer mobil surft, wählt andere Inhalte. Niemand möchte auf einem 4-Zoll-Display lange Textwüsten mit zwei Fingern zoomen und blättern. Deshalb eignen sich gerade Recruiting-Videos für mobile Endgeräte. Ich kann mir als Jobsuchender unterwegs die Arbeitswelt in einem Video anschauen. Für weitere Recherchen nutze ich dann den Desktop.

 

6. Art der Kommunikation

Warum tun sich eigentlich so viele Unternehmen mit den sozialen Medien so schwer? Weil sie eine völlig andere Sprache sprechen. Vergleichen Sie mal eine Pressemitteilung mit einer Statusmitteilung in Facebook. Da liegen sprachlich Welten dazwischen. Pressemitteilungen benutzen viele Passivkonstruktionen, viele Wörter die auf -ung enden und lange Schachtelsätze. In den sozialen Medien wird viel direkter kommuniziert, die Sprache ist aktiv, direkt und kurz.

Was hat das nun mit Recruiting-Videos zu tun? Nun, wenn ein Mitarbeiter in einem Interview über seinen Arbeitgeber berichtet, dann wird er das in seinen eigenen Worten tun. Er berichtet aktiv aus der Ich-Perspektive und wird mit Beispielen sehr konkret. Man könnte auch sagen: Er nutzt die Sprache der Zielgruppe. Deshalb sind Recruiting-Videos mit einem journalistischen Ansatz sehr authentisch und nebenbei idealer Content für die sozialen Medien.

 

7. Matching

Es gibt nicht wenige Unternehmen, die hätten gern ein Diagramm mit steigenden Bewerberzahlen, die im direkten Zusammenhang mit den Recruiting-Videos stehen. Dafür sind Arbeitgebervideos, wie Recruiting-Videos auch bezeichnet werden, aber das falsche Instrument.

Recruitingfilme erhöhen in erster Linie die Qualität der Bewerber. Warum ist das so? Nun, für mich als Bewerber ist das Unternehmen erst einmal eine große Black Box. Über Google erfahre ich viel über die Unternehmensgeschichte, Erfolge, Standorte und offene Stellen. Ich finde aber nichts Greifbares, um einschätzen zu können, ob das Unternehmen letztendlich zu mir passt.

Im Idealfall sehe ich in einem Kurzfilm das Arbeitsumfeld meiner zukünftigen Arbeitskollegen. Die O-Töne und Bilder vermitteln mir einen authentischen Eindruck von dem möglichen Arbeitsplatz. Sagen wir, es haben sich zwei potentielle Bewerber den Film angesehen. Der erste Kandidat ist begeistert und verschickt eine Bewerbung. Der zweite Kandidat entscheidet sich auf Grundlage des Videos, keine Bewerbung zu schicken. In beiden Fällen hat das Unternehmen gewonnen:

Es hat einen Bewerber hinzugewonnen, der wahrscheinlich gut zum Unternehmen passt. Und es hat einen Bewerber verloren, der wahrscheinlich nicht gut zum Unternehmen passt.

 

Fazit

Immer mehr Unternehmen werden Recruiting-Videos einsetzen. Grund: Durch den demographischen Wandel stehen immer weniger Arbeitskräfte zur Verfügung. Gleichzeitig werden weiche Faktoren für Mitarbeiter immer wichtiger. Mit Recruiting-Videos lassen sich diese Faktoren (bspw. Work-Life-Balance) ideal kommunizieren und visualisieren.

Und: Die Videos erhöhen die Aufmerksamkeit von Stellenanzeigen und sind idealer Content für die sozialen Medien. Darüber hinaus steigt die Qualität der Bewerber, da potentielle Kandidaten sich schon im Vorfeld ein authentisches Bild vom Unternehmen machen können.

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